Ballspiele mit diversen Schlägern unter freiem Himmel gibt es seit dem Mittelalter. Vorläufer von Golf, Cricket und Hockey sind ab dem 13.Jahrhundert belegt. Bei dem Wetter in Nordfrankreich und England ist es nachvollziehbar, dass man sich mit den unterhaltsamen Spielen, bei denen man Kugeln in Tore und Löcher bugsiert, auch bald innerhalb der Schlösser und prunkvollen Anwesen die Zeit vertrieb.
Die Wörter Billard und Queue stammen zwar aus dem Französischen, aber die eng verflochtene Geschichte Englands und Frankreichs verhindern eine eindeutige Aussage über die genaue Herkunft des Spiels. Sollte der Nationalstolz eines Patrioten eines der beiden Länder unbedingt auf dem Ursprung im eigenen Land bestehen, kann man ihn ruhig gewähren lassen, damit das gepflegte Spiel endlich in Frieden beginnen kann.
Spielregeln, Abmessungen von Tisch und Kugeln befinden sich seit jeher im Wandel. Der erste schriftlich belegte Billardtisch des französischen Königs Ludwig XI. im Jahr 1470 hatte wahrscheinlich andere Maße als der der schottischen Königin Maria Stuart oder von Karl IX. im 16.Jahrhundert und der Spanier in der Neuen Welt. Verwendete man bis ins 17.Jahrhundert krumme oder an Hockey erinnernde Schläger, setzte sich gegen Ende des Jahrhunderts langsam der heutige Queue durch.
Bälle
Die Kugeln waren lange Zeit aus Holz, ab dem 19.Jahrhundert wurde aus Gründen der Haltbarkeit und der Präzision Elfenbein verwendet. Ein Elefantenstoßzahn lieferte 3-4 Kugeln, aus dem Rest wurden wahrscheinlich Schachfiguren und Intarsien für Einlegearbeiten. Die Elefanten sind mittlerweile fast aufgebraucht, daher kommt heute hochreines Phenolharz zum Einsatz.
Tisch
Der Bezug des Tisches besteht spätestens seit dem 15.Jahrhundert aus Stoff. Schieferplatten darunter (ab 1827) brachten einen deutlich besseren Lauf der Kugeln als die bis dahin übliche Holzunterlage. Der sogenannte Filz darauf ist eigentlich Kammgarn, ein speziell gewebter Wollstoff. Es gibt ihn mit Strich für Snooker und Karambolage und in glatter, schnellerer Variante für Pool.
Queue
1807 montierte der französische Karambol-Spieler François Mingaud (1771-1847) als Erster eine Spitze aus Leder ans dünnere Ende des Queues - die Pomeranze. Von nun an konnte man den Kugeln ordentlich Effet (Drall) auf ihrem Weg über den Tisch mitgeben: Seitendrall, Rück- oder Nachläufer, je nach Bedarf. Unter der Pomeranze dämpft die Banderole (oder Ferrule) den Stoß, ein Ring aus Elfenbein, Messing oder Horn - heute Kunststoff oder Carbon. Der Ring schützt auch das Holz und erhöht die Präzision des Stoßes. Das verwendete Holz für den Queue wechselt je nach Variante und Spielart. Stoff und Queue gibt es auch in Kunststoffausführung, beides aber nicht allzu häufig. Die lange verwendete Tafelkreide für mehr Haftung wich zuerst gemahlenem Siliciumcarbid und Talkum, heute ist die Kreide ein High-Tech-Produkt aus Quarz (Siliziumdioxid). Diese extrem feinkörnigen, staubarmen Premium-Kreiden haben spannende Namen wie Kamui ROKU oder TAOM Pyro und sind meist blau für Pool und grün für Snooker - passend zum Tuch.
Spielarten
Während man sich auf der anderen Seite des Kanals im 18.Jahrhundert auf Karambolage spezialisierte, blieb man in England beim Lochbillard. Dort entstand 1765 auch die erste Billardhalle. Der Begriff Pool kommt vom Wetten ("Betting Pools"), es ist die heute am häufigsten gespielte Variante. Die damit assoziierte anrüchige Atmosphäre in verrauchten Hinterzimmern ist vor allem der Parallelwelt aus Film und Serien geschuldet. Wo gewettet wird, ist aber stets zwielichtige Klientel nicht weit. Erste Spielervereinigungen und Turniere gab es in England ab 1850, bis 1880 war die Evolution der heute üblichen Spielarten im Großen und Ganzen abgeschlossen, bis auf kleine Regelanpassungen und einige innovative neue Varianten.
Die alte Tradition des Herausforderungsspiels (ideal für krumme Wetten) bestand auch in der ehemaligen britischen Kolonie USA, gespielt wurde um viel Geld, meist in den Disziplinen Karambolage und Four-Ball. In New York wurde 1873 die erste Profi-Weltmeisterschaft in der Karambolage-Variante Freie Partie ausgespielt, 1878 die erste US-Meisterschaft im Pool - ebenfalls in New York. Die gängigste Variante damals nannte sich aber English Billard, wurde mit 4 Bällen gespielt und kann als hybrider Vorläufer von Pool, Karambolage und Snooker bezeichnet werden.
Pool (8-Ball)
Der klassische Pooltisch ist blau bespannt, hat eine Spielfläche von 254x127cm und 6 Taschen. Die Queues sind aus Ahorn. Damit spielt man ausschließlich den weißen Spielball und befördert damit entweder die 7 "halben" färbigen Objektbälle oder die 7 "vollen" in die Taschen. Ob "Volle" oder "Halbe" entscheidet die erste gefallene Kugel mit Farbe. Der 15.Objektball ist schwarz und darf erst als letzte Kugel versenkt werden. Fällt sie vorher oder nicht im vorher angesagten Loch, ist die Partie verloren.
Eine Aufnahme eines Spielers dauert so lange, bis kein eigener Objektball mehr (nach Ansage) gelocht wird. Des weiteren darf der Spielball bei jedem Stoß immer nur einen der eigenen Objektbälle als ersten berühren. Wird ein gegnerischer oder gar keiner berührt oder der Spielball landet in einer Tasche, gilt das als Foul und der andere Spieler darf sich den Spielball an beliebiger Stelle positionieren ("Ball in Hand"). Wer Schwarz korrekt als letzten Ball in die Tasche schickt, gewinnt.
Weitere Pool-Varianten sind 9-Ball, 10-Ball und Straight Pool (14/1 endlos). Während bei 9-Ball 9 Objektbälle den Zahlen nach in aufsteigender Reihenfolge versenkt werden (bei 10-Ball dasselbe mit 10 Bällen), werden bei "14/1 endlos" Punkte gezählt, die Kugeln nach der letzten wieder alle aufgelegt und es geht so lange, bis die erforderliche Punktezahl erreicht ist. Diese variiert je nach Turnier.
Karambolage
Der übliche Karambol-Tisch ist zumeist grün, besitzt die Maße von 284x142cm und ist etwas größer als der Pooltisch, hat aber keine Taschen. In der Regel haben die 3 Bälle die Farben Rot, Weiß und Gelb, oft sind auch 2 weiß, mit unterschiedlichen Markierungen. Der Queue ist etwas kürzer als bei Pool, das Holz ebenfalls Ahorn. Die Bälle sind größer und schwerer als bei Pool, das ermöglicht mehr Effet und Kontrolle.
Die 2 Spieler haben jeweils einen fixen Spielball und versuchen stets damit die beiden Objektbälle mit einem Stoß zu berühren - das ist die Karambolage und zählt 1 Punkt. So lange gepunktet wird, bleibt der Spieler am Ball. Sieger ist der Spieler, der die vorher vereinbarte Punkteanzahl erreicht. Diese schwankt bei Profi-Turnieren zwischen 500 Punkten in der Freien Partie und 30 Punkten beim Weltcup im Dreiband. Bei Gleichstand gibt es entweder Verlängerung und manchmal ein Shoot-out mit Zeitlimits.
Die gängigsten Varianten sind Freie Partie (keine Einschränkungen), Cadre (mit unterteilten Zonen), Einband (Spielball muss zumindest eine Bande vor der 2.Kugel berühren), Dreiband (das Gleiche mit 3 Banden), Artistique (Trickstöße mit festgelegten Wegen) und Kegelbillard (Punkte durch Karambolage und umgestoßene Kegeln).
Snooker
Snooker-Tische sind stets grün und haben die doppelte Grundfläche eines Pooltisches, dafür sind immerhin Taschen und Bälle kleiner... Selbstversuche am 356x178 cm großen Tisch sind unbedingt empfehlenswert - für Freizeitspieler mit hoher Frusttoleranz. Der filigrane Queue ist aus Zedernholz. Präzision, korrekte Körperhaltung und gute Augen sind Grundvoraussetzung, auf Glück braucht man bei einer 4 m langen Diagonale nicht mehr hoffen. Keine Wunder, dass es Profispieler mit dem Kampfnamen "Wizzard" oder "Magician" gibt. Ist die Atmosphäre bei großen Turnieren im Pool mit der von Darts vergleichbar, erinnert die Ruhe vorm Stoß beim Snooker oft an die Schach-WM. Steht ein Maximum-Break von 147 Punkten bevor, läuft die Atmung im Publikum auf Apnoe-Stand-by.
Im unteren Drittel des Tisches werden 15 rote Bälle (diese zählen je 1 Punkt) im Dreieck positioniert, die mit den Farben Gelb, Grün, Braun, Blau, Pink und Schwarz (2,3,4,5,6,7 Punkte) bilden ein "T" auf dem Tisch. Ziel ist es, abwechselnd immer eine rote und eine färbige Kugel mit dem weißen Spielball anzuspielen und - wenn möglich - in die Taschen zu schicken. So lange gepunktet wird, bleibt der Spieler am Ball. Wobei die roten Kugeln in den Taschen bleiben, die Färbigen kommen wieder auf ihren Fixplatz. Ist der besetzt, kommt sie auf den nächsthöheren Fixplatz. Ist auch der besetzt, findet sie - von der unteren Tischhälfte aus - ihren Platz so nahe es geht am für sie vorgesehenen Punkt. Das geht so lange, bis keine Roten mehr am Tisch sind.
Im Endspiel werden die 6 Färbigen in aufsteigender Reihenfolge gespielt. Die angespielte Farbe muss vorher angesagt werden, andernfalls droht ein Foul und dem Gegner werden mindestens 4 Punkte am Punktekonto gutgeschrieben. Punkte durch korrektes Lochspiel sind eine Seite von Snooker, die interessantere ist aber die Möglichkeit, durch taktisch kluge Ablage des Spielballs, dem Gegner den Weg zum nächsten spielbaren Ball zu erschweren und dadurch Foul-Punkte zu erzwingen. Diese Situation wird als "Snooker" bezeichnet. Sieger ist, wer die meisten Punkte hat und die letzte färbige, also Schwarz, einlocht.
Bonus
Wie bei den vorangegangen Spielarten, gibt es auch beim Snooker noch eine Handvoll Zusatzregeln. Die werden hier gnadenlos unterschlagen, so wie exotische Spielvarianten wie Russisches Billard (große Kugeln, kleine Taschen) und Multicolore (Kombination aus Roulette und Billard) und die unzähligen legendären Spieler, die mit Billard zu Ruhm und guten Preisgeldern kamen. Sieg-Prämie für Zhao „The Cyclone“ Xintong (China) bei der Snooker-WM 2025 (wie immer im Crucible in Sheffield, GB): 500.000 Pfund = 584.000 Euro. Viel niedriger als beim Snooker sind die Preisgelder beim Pool aber auch nicht... also los - ab in die Spielhalle und üben, üben, üben!
„Nach Perfektion zu streben ist der einzige Weg, sich selbst zu motivieren.“, Ronnie "The Rocket" 'O Sullivan, the GOAT - großartigster Snookerspieler aller Zeiten.