Die Idee, mithilfe des Internets Kontakte zu pflegen oder nach alten Schulfreunden zu suchen, ist beinahe so alt wie das World Wide Web selbst. Schon 1995 entstand so Classmates.com, das - hauptsächlich genutzt in den USA - auch heute noch läuft. Als allererstes soziales Netzwerk mit Profilen, Freundeslisten und Nachrichtenfunktion gilt SixDegrees (1997-2013), entwickelt von Andrew Weinreich in New Yorks Silicon Alley.
Auch das bei Musikern und Kreativen beliebte MySpace (2003) und LinkedIn für berufliche Netzwerke (2003) sind nach wie vor aktiv und existierten bereits vor Facebook. Ein direkter Konkurrent aus dem Jahr 2004 war Orkut aus dem Hause Google (heute Alphabet). Orkut erfreute sich in Indien und Brasilien großer Beliebtheit, bis es 2014 vom Netz genommen wurde.
Meta Inc.
Facebook gibt es seit 2004 und ist mit Abstand das größte soziale Netzwerk weltweit. Die gut 3 Milliarden aktiven Nutzer (und die, die's bereits hinter sich haben) erstellten bislang Konten im zweistelligen Milliardenbereich. Da bis heute für die Erstellung eines Accounts nur eine E-Mail-Adresse nötig ist, kann dort jeder als das auftreten, wozu er gerade Lust hat. Die Mehrzahl der bisher erstellten Konten sind/waren daher Fake-Accounts. Davon wurden 2018 1,3 Milliarden gelöscht, 2020 gleich 4,5 Milliarden.
2012 schluckte Meta Inc. das Startup Instagram von Kevin Systrom und Mike Krieger zum Preis von 1 Milliarde US-Dollar (bar und Aktien). Eine ausgezeichnete Investition: bei der Zielgruppe U30 hat das auf visuelle Inhalte und Influencer fokussierte Netzwerk bereits Facebook überholt - so wie TikTok, des 2012 von Zhang Yiming gegründeten chinesischen Unternehmens ByteDance.
Seit 2014 betreibt Meta Inc. auch WhatsApp, ein von den Google-Mitarbeitern Jan Koum und Brian Acton 2009 geschaffenen Messenger-Dienst. Dafür waren dann schon 19 Milliarden Dollar fällig (bar und Aktien). Im selben Jahr erwarb man auch noch Oculus VR, einen Hersteller von Virtual Reality-Headsets um 2 Milliarden Dollar (bar und Aktien).
Von 2015 an verfolgt das Unternehmen eine Strategie einer App-Familie, in der die verschiedenen Angebote (Facebook, Instagram, WhatsApp, Messenger) parallel weiterentwickelt werden, sich aber nicht unbedingt überschneiden sollen. Kleinere Akquisitionen - wie Beat Games für VR-Spiele oder Kustomer für Content Rights Management - 2019 und 2020 runden das Portfolio ab.
Ist Instagram besonders für jüngere Generationen attraktiv, weist Facebook eine breitere Altersverteilung auf mit eher textlastiger Ausrichtung und mehr Möglichkeit der Repräsentation von Gruppen oder Veranstaltungen inklusive Links. Der Facebook Messenger ist in Facebook integriert, läuft aber auch separat. Für Whatsapp benötigt man nur eine Telefonnummer, großer Pluspunkt gegenüber dem Messenger: die Kommunikation verläuft mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
Die Entstehung des 2021 in Meta Platforms Inc. umbenannten Konzerns verlief etwas holprig, was dem Erfolg aber keinesfalls abträglich war. Mit Mark Zuckerberg war einfach der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein risikobereiter Nerd mit ausgefahrenen Ellbogen und wenig Skrupel - der perfekte Unternehmensgründer.
Entstehung
Mark Zuckerberg (geb. 1984) stammt aus einer wohlhabenden Familie, wuchs in einem kleinen Ort im Bundesstaat New York auf und galt schon früh als ziemlich aufgeweckt und ehrgeizig. So entwickelte er bereits als Teenager einen Messenger für die väterliche Zahnarztpraxis (ZuckNet) - die Bezeichnung Nerd ist für ihn definitiv zutreffend. In der Highschool war er Kapitän des Fechtteams und erhielt Auszeichnungen für besondere Leistungen in Physik, Mathematik, Astronomie und Sprachen.
Zu dieser Zeit - also um die Jahrtausendwende - erfreuten sich dezentrale Peer-to-Peer (P2P)-Plattformen wie Napster, Kazaa, LimeWire oder eMule großer Beliebtheit bei der Netzgemeinde. Das große private Tauschen von Musik und Videos war schnell vorbei, als die Unterhaltungsindustrie - allen voran die Musikindustrie - Umsatzeinbußen verzeichnete und vorübergehend zum Geschäftsmodell "Abmahnklage" wechselte.
Aus den folgenden Prozessen und massiven Medienkampagnen stammen auch die völlig überzogenen - aber dafür abschreckenden - Begriffe wie "Raubkopie" oder "Netzpiraterie". Eine manipulative Rhetorik, die natürlich umgehend in den alltäglichen Sprachgebrauch übernommen wurde.
Als sich Zuckerberg 2002 für seine Informatik- und Psychologiestudien an der Universität Harvard einschrieb, war der Prozess gegen Napster bereits gelaufen (1999-2001). Das Thema Filesharing war auch in Harvard Gegenstand einiger Projekte, Zuckerberg startete aber 2003 mit Facemesh in eine andere Richtung: er hackte sich in die internen Online-Verzeichnisse der Universität, in denen grundlegende Informationen und Fotos der Studierenden gespeichert wurden (die sogenannten "Facebooks").
Die gesammelten Porträtfotos mit Namen (ausschließlich weiblicher Studentinnen) ließ er zum Abstimmen auf facemesh.com gegeneinander antreten. Erinnert ein bisschen an Tinder, allerdings ohne Einwilligung der abgebildeten Personen oder Dating-Optionen. Dafür aber mit reichlich Empörung auf dem Campus und einer kurzen Online-Präsenz von nur wenigen Tagen.
Es kam zu einer Anhörung vor der Universitätsleitung, rechtliche Folgen oder eine Verwarnung blieben aus. Wenige Monate später, im Frühjahr 2004, gründete Zuckerberg zusammen mit Dustin Moskovitz, Chris Hughes und Eduardo Saverin TheFacebook, ein campusinternes Netzwerk mit Profilseite und Foto für die - diesmal registrierten - Benutzer. Man konnte bereits "Freunde" hinzufügen, kurze Nachrichten auf deren Profil hinterlassen und gezielt nach weiteren Studenten an der Uni suchen.
Nach wenigen Monaten stieß Sean Parker, Mitbegründer und einst strategischer Kopf von Napster, zu TheFacebook Inc. und wurde der erste Präsident des Unternehmens hinter der - noch auf Studierende beschränkten - Plattform. Er sorgte für die Strukturierung des angehenden Konzerns, überzeugte Zuckerberg von einer späteren Öffnung hin zum World Wide Web und holte einen finanzkräftigen Investor an Bord - Peter Thiel.
Parker blieb nur wenige Monate und verließ 2005 wegen eines Drogendelikts mit 7% Firmenanteilen das Unternehmen. Im selben Jahr kaufte das Unternehmen die Domain facebook.com für rund 200.000 Dollar und TheFacebook wurde zu Facebook. Marktnische blieb weiter die Vernetzung US-amerikanischer Studenten. Bedenken wegen Datenschutz hielten die Unis davon ab, selbst für die Vernetzung zu sorgen - nicht aber Zuckerberg.
Der gemeinsam mit Sean Parker, Andrew McCollum und Adam D’Angelo entwickelte P2P-Dienst Wirehog sollte das anonyme Napster-Prinzip ins vertrauensbasierte soziale Netzwerk übertragen. Das Projekt war Zuckerberg aus rechtlicher Sicht aber dann doch zu heiß und er beendete es 2006 ebenso wie seine akademische Laufbahn. Es gab wichtigeres zu tun.
Die Öffnung für jedermann erfolgte im September 2006. Von nun an konnte jeder, der eine gültige E-Mail-Adresse besaß (und vorgab 13 Jahre alt zu sein) ein Profil auf Facebook erstellen - bis heute, weltweit und ohne weitere Einschränkung. Spam, Hassrede, Identitätsdiebstahl oder die Angabe falscher persönlicher Daten verstoßen allerdings gegen die Nutzungsbedingungen und haben die Löschung des Accounts und/oder Strafanzeigen zur Folge.
Erste Milliarde
Von da an explodierten die Nutzerzahlen geradezu: hatten Ende 2004 knapp 1 Mio. Studenten (und Unipersonal) einen Account, waren es Ende 2006 12 Mio. Nach einem Jahr Zugang für jedermann (2007) waren es 50 Mio., 2008 100 Mio. und 2010 bereits 500 Mio. Am 4.Oktober 2012 postete Mark Zuckerberg höchstpersönlich:
"Heute haben wir eine wichtige Grenze überschritten. Zum ersten Mal in der Geschichte hat eine Milliarde Menschen Facebook in einem einzigen Monat genutzt." Facebook war somit das erste soziale Netzwerk, dass die Milliarden-Nutzer-Marke knackte.
Bereits im Frühjahr desselben Jahres erfolgte die Börsennotierung an der US-Technologiebörse NASDAQ mit einer Gesamtbewertung von rund 104 Milliarden Dollar. Die Aktie rutschte gleich in der ersten Woche von 38 auf 33 US-Dollar, die Börsenaufsicht monierte fehlende und undurchsichtige Vorabinformationen, Kleinanleger strengten Sammelklagen an. Es kam zu jahrelangen Prozessen, viele wurden eingestellt, mit manchen Klägern einigte sich Facebook Inc. auf Vergleichszahlungen, behielt aber seine weiße Weste.
Rechtliche Dissonanzen und Vergleiche gehören zur Facebook-Historie wie der Like-Button unter die Beiträge: die drei oben genannten Mitgründer schieden mehr oder weniger freiwillig zwischen 2005 und 2008 aus dem Unternehmen aus, Eduardo Saverin allerdings mit einem Rechtsstreit (2005-2006), der zu einem Vergleich in unbekannter Höhe zwischen ihm und Facebook Inc. führte.
Datenschutz
Seit 2011 bringt der österreichische Jurist Max Schrems regelmäßig Beschwerden bei der irischen Datenschutzbehörde gegen Facebook Inc. ein. Irland ist seit Beginn der europäische Firmensitz, da hier die Körperschaftssteuer recht niedrig ist, für Patent- und Lizenzgeschäfte auf 6,25% reduziert und dennoch voller Zugang zum EU-Markt garantiert ist.
Max Schrems jahrelange Beschwerden zeigten 2023 wider Erwarten etwas Wirkung: Meta Inc. wurde mit einer einmaligen Zahlung von 390 Mio. Euro für verschiedenste Verstöße gegen europäische Datenschutz-Richtlinien bestraft. Max Schrems dazu:
"Anstatt eine Ja/Nein-Option für personalisierte Werbung zu haben, haben sie die Einwilligungsklausel einfach in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verschoben. Das ist nicht nur unfair, sondern eindeutig illegal." Für die Zahlung von 390 Mio. gab's dann eine Frist von drei Jahren für Meta Inc. um das endlich abzustellen. Das rechnet sich sicher - für den Konzern.
Um einiges höher war aber die Strafe, die im Zuge des "Cambridge Analytica"-Skandals 2019 von der US-Handelsaufsicht FTC verhängt wurde. "Cambridge Analytica" sammelte unrechtmäßig Daten von beinahe 90 Mio. Facebook-Nutzern, was in den USA gar nicht gut ankam und Facebook Inc. 5 Milliarden US-Dollar kostete. In Europa blühte Zuckerberg dafür der Vorgang, den er schon aus seiner Studentenzeit kannte: Empörung, Anhörung, mit dem Zeigefinger winken, das war's. In Großbritannien beschäftigte sich das Parlament intensiv mit dem Fall und veröffentlichte dann: Empfehlungen.
Manipulation
Facebook ist wie alle soziale Medien natürlich auch ständige Spielwiese von PsyOps (Psychologische Operation oder Kriegsführung) aller Herren Länder. Inwieweit die 470 russischen Fake-Accounts, die Facebook Inc. im Zusammenhang mit der US-Präsidentschaftswahl 2016 identifizierte und löschte, den Ausschlag für den Ausgang der Wahl gaben, darf sich jeder bei 3 Milliarden Accounts selbst überlegen.
Es ist sicher nicht vermessen anzunehmen, dass die Hauptakteure politischer Einflussnahme in Meta Inc.'s Mutterland selbst sitzen. Kaum ein Land der Welt in dem nicht versucht wird direkt oder indirekt über NGOs oder dem größten Arbeitgeber im Land, den Geheimdiensten, Einfluss auf das politische Klima und Strömungen auf allen Kontinenten auszuüben. Wer kann, der kann.
Im Zuge der Veröffentlichung der "Twitter-Files" (siehe hier) geriet auch Facebook unter Verdacht, als Handlanger der Regierung unangenehme Informationen etwa über die Gefährlichkeit experimenteller Impfstoffe oder einfach nur vergleichende Statistiken mit früheren Grippewellen zu unterdrücken oder gar zu löschen.
Im Gegensatz zum Twitter-Gründer Jack Dorsey verschleierte Zuckerberg aber nicht die staatliche Einflussnahme und Zensur von Wissenschaftlern und einfach belegbaren Fakten, sondern erzählte dem staunenden Publikum u.a. im Podcast-Format "Joe Rogan Experience" im August 2022 offen von regelmäßigen Besuchen und Anrufen seitens der Behörden.
Die Geschäftsleitung sah sich unter dem permanenten Druck gezwungen, Nachrichten und Meldungen (auch aus dem Wissenschaftsbetrieb) systematisch zu löschen, wenn sie der ausgegebenen Direktive widersprachen - auch eine Form von Datenschutz. Die bereits ab 2016 zu solchen Zwecken installierten "Fakten-Checker" wurden 2025 endgültig von Facebook entfernt und durch "Community Notes" ersetzt um wieder freie Meinungsäußerung zu gewährleisten.
Ausblick
Der (Aus-)Blick ins 2021 ausgerufene Metaverse, in dem der Facebook-User eines Tages mit seinem Avatar ganz verschwinden soll, könnte durchaus so enden wie die nicht unschöne, aber mittlerweile etwas öde gewordene Parallelwelt Second Life von Linden Labs.
Die Mischung aus sozialem Netzwerk und Computerspiel-ähnlichem 3D-Universum, erlebte zwischen 2007 und 2008 einen regelrechten Hype. Unzählige Konzerne bastelten sich dort virtuelle Firmensitze und Konferenzräume, Universitäten errichteten Hörsäle für ihre Studenten, jeder kann sich dort für wenig Geld ein Herrenhaus bauen oder für etwas mehr Geld eine eigene Insel kaufen und mit Freunden virtuell Krieg spielen.
Es gibt dort alles nach wie vor - genauso wie Shops und Casinos - die Spielwährung, die auf unterschiedliche Weise verdient werden kann, ist auch im Real Life einlösbar. Wer einfach nur herumspazieren, fliegen oder schnellreisen will, wird nie fertig, wenn man alles sehen und jeden Rummelplatz probieren möchte.
Vorteil von Second Life: man braucht keine Datenbrille oder klobiges Headset um sich schnell und elegant darin zu bewegen und TechnoSoph tut sich schwer mit der Vorstellung, nur für ein paar Artikel, Bilder oder Videos vom letzten Konzert und ein bisschen Chatten extra in ein weiteres pixeliges Paralleluniversum zu wechseln, mit der ständigen Gefahr irgendwo (in echt) dagegen zu rennen oder sich zu übergeben, wenn mal die Framerate nicht passt.
Natürlich geht's auch ohne VR, aber wer pixelige, cartoonhafte Blockwelten mag, will zumeist auch spielen. Da ist man besser in Roblox oder Minecraft aufgehoben und zum Kontakt mit Oma braucht's das alles nicht.
Aber wer weiß... wenn irgendwann die lästigen Brillen obsolet geworden sind, Onkel Elon vom Mars aus den aktuellen Neuralink-Chip vorstellt oder Zucks CTRL-Labs saubere Neuro-Implantate mit kabellosem Gedankeninput auf den Markt bringt, dann ist sicher auch die Grafik besser - und dann bin ich garantiert dabei.